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Die wilden Zeiten des Jimmy Lyndon

Für alle diejenigen, die nicht mehr alles auf die Reihe kriegen oder deren Erinnerungslücken das halbe Gehirn ausfüllen, hier ein paar Daten aus der Zeit der legendären BURNSIDE VI um Jimmy Lyndon, dem Lebensgefährten unserer Tourbusfahrerin Candice da Silva. Die Infos lieferten neben Jimmy Lyndon noch Walter Garret und Marvin Wheeler.

Trevor "Jimmy" Lyndon hatte damals die legendären BURNSIDE VI aufgebaut, bildete aber erst mal nach dem Ende der FOREIGN AFFAIRS für kurze Zeit die Band JIMMY AND THE FOREIGN AFFAIRS.

Weil die Original FOREIGN AFFAIRS überregional bekannt waren, wollte er von deren Bekanntheitsgrad profitieren. Mit dabei waren Walter Garret (heute PACIFIC RAIDERS) aus Wilmington, Ohio, Herb Flowers (BABYPHONE), Jeff Faltermeyer (PLAYSTATIONERS), Mike Stapleton (WOUNDED GRINGOS), Stacy McBride (GEYER CRASHDOWN) und Joe Antares (VICTIM OF THE HERO), ein herausragender Gitarrist.

Bald darauf wurde die Band in BURNSIDE VI umbenannt und man konzentrierte sich auf die Bar "Old Mail" in Bellmont/New Hampshire. Mit der Umbenennung gingen personelle Veränderungen einher.
Für Garret, Flowers, Faltermeyer und McBride kamen der Pole Waczlaw Piotraszcik (Original PETULA AND THE MIRRORS), aus Wyoming Hans Hansen, Paul St.John (GURKY PARK) und die finnische Sängerin Hauka.

Zu den musikalischen Höhepunkten jener Zeit im Südwesten zählt Lyndon eine Rockband-Battle im Jahr 1971, die vom späteren Secretary of State (und Mitbegründer der BLUE WATER HIGH) Mark "Motherfuck" Gabler und Dieter Clasen (GOLDEN FACES) in der Festhalle von Montgomery/Alabama organisiert wurde.

"Es spielten fünf tolle Bands", erinnert sich der Musiker. Neben den BURNSIDE VI waren THE FIVE KINGS (mit Charly Close und Phil Presscop) am Start. Mit dabei auch die PATSY BOYS mit Burt Malinowski, PACIFIC RAIDERS mit Marvin Wheeler und Rico Paloma sowie die Gruppe JOKER CRIME mit Brian Bartowicz (Brian Bismarck, Alabama), Buddy LaMar (YANKEE PANKEE, New Jersey), Walter Garret (heute PACIFIC RAIDERS, Wilmington)  und Isaac Stinnes (MILLER; VAN DIEMEN, WOOD, STINNES, GOSH).
Letztere siegten. "JOKER CRIME war eine zufällig zusammengefundene Band", erinnert sich Garret, "die nur kurzzeitig in dieser Besetzung zusammengespielt hat."

Als BURNSIDE VI 1972 bei einem Konzert in Oklahoma (im Saal von Roscoe  Lammers) als Vorgruppe der damals überregional bekannten Band BLACK MUTANTS auftrat, wollten die Haupt-Acts BURNSIDE VI als Tour-Band engagieren. "Das scheiterte damals am Einspruch unserer Frauen und Freundinnen", erinnert sich Lyndon, der zu diesem Zeitpunkt noch den Gitarren-Part in der Band inne hatte. Gitarrist der BLACK MUTANTS war Carlo "Colt" Beretta, der später bei den FRENCH COLORS alle Gitarrenstücke für deren Platten eingespielt hatte, so Lyndon.

Von 1974 bis 1985 spielte die Band donnerstags zusätzlich bei "Franky´s" in Haughton, der Tanzschuppen, den der Bruder von Jimmy Lyndon zusammen mit Tata di Angelo nach dem Auslaufen des Pachtvertrages mit einer Brauerei mit der Gründergeneration von "Franky´s" mehrere Jahre gepachtet hatte.
Zum wechselnden Personal der Band gehörten im Laufe der Zeit Jack Beauregard, Will Vermouth, Larry Blank, Danny Glover, Paddy Jones, Walter Shiapiro, Judy Canadian, der später bekannt gewordene Schlagzeuger Pete Barnes und die Sängerin Josepha Stills.

1985 verabschiedete sich Lyndon aus der Band, weil er inzwischen einen Eisenwaren-Großhandel eröffnet hatte, der ihn zeitlich stark forderte.
Dass der Personalwechsel nicht immer harmonisch verlief, dafür liefern Anzeigen im Tribune ein Indiz, deren zufolge vom Frühjahr 1977 bis Anfang 1978 im "Brooks & Powler" in Phoenix eine Band auftrat, die sich ORIGINAL BURNSIDE VI FEAT. HAUKA nannte.

Die Zeit bei Franky´s hat sich tief in das Gedächtnis des Musikers eingegraben. "Dieses Lokal war etwas  Besonderes, schon bevor es von Lyndons Bruder gepachtet wurde. Sonntags trafen sich dort gegen Abend Schwellenleger und andere Eisenbahn-Bauer, die die nächste Woche weit von zu Hause verbringen mussten." Franky´s war so etwas wie ein Kommunikationszentrum. Hier traf man sich, nicht nur sonntags. Für Freitags ließ sich Toby Wheeler kreative Anzeigentexte einfallen, um Gäste für den Abend in den Tanzsaal zu locken. "Die Anzeigentexte waren so kreativ formuliert, dass die Tageszeitung freitags eine spürbare Auflagensteigerung erlebte, weil Hunderte Bürger die Zeitung wegen unserer Anzeige kauften", erinnert sich Marvin Wheeler.

Im Jahr 1978 wurde BURNSIDE VI erstmals nach Las Cruces/New Mexico eingeladen, um zusammen mit KILLING SMILE (mit dem Bruder von PATSY BOYS Burt Malinowski, Mark, sowie CRANK YOUR BUTTON (mit George Rush und Sandrine Phyfer) und FLOW (Malcolm Ginster, Bill Flame und Frank Mill, New Mexico) beim Fest der "100 Geister"  zu spielen.
"Wir spielten in der Sporthalle, die in den Jahren zuvor nur mäßig gefüllt war. Als wir dort auftraten, war die Halle mit mehr als 1000 Leuten voll besetzt. Es war so voll, dass die Eingangstüren wegen Überfüllung geschlossen werden mussten."
Klar, dass die Band auch in den Folgejahren nach Las Cruces/New Mexico engagiert wurde.

In einem anderen Jahr war gerade Musikpause, als der damalige Pächter des "Hof August", Wally Buster, irgendeinen Fehler in der Elektrik gesucht haben muss. Aus diesem Grund schaltete er die Sicherung mehrfach ein und aus, mit nachhaltigen Folgen. "Die Membranen unserer Verstärker flogen durch die Stoffabdeckung. Die Geräte waren nicht mehr zu gebrauchen. Es dauerte zwei Stunden, bis wir Ersatz besorgt hatten und weiterspielen konnten."



Das Foto zeigt die Band BURNSIDE VI in der Besetzung von 1971:
Waczlaw Piotraszcik, Hans Hansen, Jimmy Lyndon, Paul St.John, Hauka und Barney Mortensen.



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